Satzanfang… Tippen… Löschen…

Geschrieben von: Franzi

Seit meinem letzten Beitrag ist einige Zeit vergangen und bis heute fällt es mir schwer, den richtigen Ansatz zu finden. Gerne würde ich über den tollen Advent, die Lichter auf den Straßen und den Weihnachtsmarkt in meiner Heimatstadt schreiben. Aber sind wir mal ehrlich… dieses Jahr war für die meisten von uns eher durchwachsen und die aktuellen Zeiten spalten nicht nur unsere Politiker. Unsere geliebten Weihnachtsmärkte werden nicht stattfinden, die großen Familienfeiern an den Weihnachtstagen müssen kleineren Zusammenkünften weichen und das vorweihnachtliche Plätzchenbacken mit Freunden wird sich auf eine Zoom-Live-Schaltung beschränken. Alles ist anders und alles irgendwie falsch, doch auch mein Glaube war in den letzten Monaten ein Spießroutenlauf der Gefühle.

Langsam und Schritt für Schritt begreife ich erst, wie drastisch sich mein Leben in den letzten Monaten verändert hat und dabei wurde der Graben, der sich unter mir aufgetan hatte, mit jedem Tag größer. Ich verlor mehr als ich gewann: meine Familie, meine Freunde, meine Gemeinde, meine Liebe. Vor allem jedoch verlor ich ein Stück von Gott, meinen ungeteilten Blick auf Jesus und meine Hoffnung. Anfangs weinte ich um meine menschlichen Beziehungen, doch seit einiger Zeit weine ich um meine wichtigste Beziehung: die zu Gott.

„Warum, Herr, hast du mich verstoßen? Warum verbirgst du dein Angesicht vor mir? Von Jugend auf bin ich vom Leid gebeugt und dem Tode nah. Ich trage schwer an den Schrecken, die du über mich kommen lässt; ich bin völlig verzweifelt. Dein Zorn überrollte mich wie ein Flammenmeer, deine schrecklichen Angriffe haben mich vernichtet. Wie gefährliche Wellen schlagen sie über mir zusammen – den ganzen Tag, sie bedrängen mich von allen Seiten. Meinen Freunden und Nachbarn hast du mich entfremdet, mein einziger Vertrauter ist die Finsternis.“ Psalm 88, 15-19

Für mich sind die meisten Psalmen ein Grund zur Freude und egal wie verletzt oder alleingelassen der Psalmist am Anfang wirkt, finden sich fast immer gegen Ende Worte der Ermutigung, Zuversicht und dem Lob Gottes. Umso überraschter war ich, als ich durch eine Predigt auf Psalm 88 aufmerksam wurde, in dem so negativ über Gott gesprochen und am Ende sogar die Finsternis Gott vorgezogen wird.

„Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen.“ 2. Timotheus 3,16

Alleine die Existenz solcher Gebete in Gottes Wort ist ein Zeugnis für sein Verständnis! Er weiß, wie Menschen sprechen, wenn sie verzweifelt sind. Das bedeutet, dass diese Gebete nicht versehentlich, sondern gewollt und beabsichtigt in der Schrift zu finden sind. Er sagt uns damit, dass er trotzdem unser Gott ist, auch wenn wir es nicht immer richtig machen, weil er ein Gott der Gnade ist und auch wenn wir manchmal keinen Weg aus der Dunkelheit sehen, können wir doch darauf vertrauen, dass Gott diesen Weg schon gesehen hat, bevor die Dunkelheit in unsere Leben kam.

Das Wichtigste ist jedoch, dass wir unser Leid mit Gott teilen. Denn der Psalmist, so enttäuscht und beladen er auch ist, hält trotzdem an Gott fest, indem er sein Gebet vor ihn bringt. Wenn wir also an Gott festhalten, beten, den Gottesdienst besuchen, unseren Nächsten lieben, obwohl wir augenscheinlich nichts dafür bekommen, werden wir zu Persönlichkeiten verändert, die gestärkt und stabilisiert aus dunklen Zeiten hervorgehen.

„Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.“ Matthäus 11,28

Du kannst ein gläubiger Christ sein, du kannst täglich ins Gebet gehen und Gott dein Leben ohne Wenn und Aber anvertrauen und trotzdem kann es sein, dass dein Leben und die äußeren Umstände sich trotzdem für eine lange Zeit nicht bessern. Doch wie schlimm die Umstände in unserem Leben auch scheinen, Gott hat die Kontrolle und er legt uns einen tiefen Frieden ins Herz, auf den wir bauen können, auch wenn wir ihn vielleicht gerade nicht sehen. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott unsere Gebete und Sorgen hört und versteht. Wichtig ist, dass wir das Gespräch suchen, dass wir Trauer darüber empfinden, wenn unsere Beziehung zu unserem Schöpfer manchmal schwierig scheint, denn es ist nicht wichtig wie oft wir fallen, solange wir wieder aufstehen und unseren Blick auf Gott richten.

 

TIPPS:

• Lass es raus! Sei ganz ehrlich und sage Gott wie du dich fühlst.

• Lies jeden Tag einen oder zwei Psalmen laut.

• Wenn dir das Bibellesen aktuell zu schwerfällt, lies oder höre christliche Literatur.

• Nimm dir Lobpreiszeiten, in denen du das Handy aus der Hand legst und deinen Blick ganz auf Gott richtest.

• Sei dankbar! Selbst in den schwersten Zeiten, gibt es Dinge für die wir danken können. Schreibe dir jeden Tag mindestens drei Dinge auf und danke Gott dafür.

1 Kommentar

Liebe Franzi, vielen Dank für den Blogeintrag und das du deine Gedanken mit uns teilst. Er hat mich sehr berührt, weil wir alle mal durch tiefe Täler im Leben gehen und ähnliche Gedanken haben. Gott begegnet unserer Wut, den Zweifeln und der Trauer mit großer Gnade und Verständnis.  Er zeigt uns aber mit seinem Wort, wie wir sie überwinden und zurück zu seiner Herrlichkeit finden. Du hast das wunderbar in deinem Blog beschrieben und gibst damit anderen und mir, Kraft und Zuversicht. Lieben Dank dafür. 

Harald 08 Dezember, 2020

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